06.01.2026, 21:30
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.01.2026, 20:29 von Klartexter.)
Terror? Das können unmöglich Linke sein
![[Bild: linker-terror.jpg]](https://verkehrt.eu/adminpics/anonymous/linker-terror.jpg)
6. Januar 2026
Nach dem folgenschweren Anschlag auf das Berliner Stromnetz, zu dem sich Linksextremisten bekannten, läuft eine groteske Verschleierungswelle an. Grüne Politiker vermuten die wahren Täter im Kreml. Oder war es doch die AfD?
von
Der Stromausfall im Berliner Südwesten nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde gefährdet Menschenleben – denn er trifft in der Winterkälte auch Alte und chronisch Kranke zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen. Der gezielte Schlag richtet sich gegen 45 000 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe, viele von ihnen bleiben voraussichtlich noch bis Donnerstag ohne Elektroenergie, und damit in vielen Fällen auch ohne Wärme.
Das macht die Frage nach den Tätern um so drängender. Denn hier handelt es sich zweifelsfrei um Terrorismus, und zwar allen bisherigen Erkenntnissen zufolge um linksextremen Terror: Die Polizei stuft das Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ als authentisch ein, die schon für eine ganze Reihe ganz ähnlicher Anschläge verantwortlich zeichnete. Aber gerade deshalb, weil vieles für Linksaußen-Täter spricht, springt bei Grünen, Linkspartei und einem großen Teil der Medien die übliche Vernebelungs- und Beschwichtigungsroutine an, nach dem Motto: Linker Terror? Kann nicht sein.
Das große Ablenkungsmanöver begann mit der ARD-Tagesschau: die öffentlich-rechtliche Hauptnachrichtensendung erwähnte in ihrer Meldung vom 4. Januar mit keinem Wort das Bekennerschreiben der „Vulkan-Gruppe“, obwohl es zu diesem Zeitpunkt schon vorlag.
https://x.com/aleksteske/status/20077543...n%5Es1_c10
Der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz zeigte sofort auf Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, also von ihm aus gesehen nach rechts, und machte ihn für die ungenügende Sicherheit der Stromleitungen im Land Berlin verantwortlich. Irgendeinen Verweis auf die mutmaßlichen Täter unterließ von Notz.
https://x.com/KonstantinNotz/status/2007...n%5Es1_c10
Ebenso sein Fraktionskollege Janosch Dahmen, der düster von „autoritären Regimen“ und „Wegwerfagenten“ raunte, und damit die Täter beziehungsweise deren Lenker in Russland verortete. Irgendwelche Belege? Keine.
https://x.com/baha_jam/status/2007838703...n%5Es1_c10
Besonders wild erging sich der Altgrüne Volker Beck in Spekulationen: er verbreitete auf X einen Post weiter, dessen Urheber behauptet, bei dem Bekennerschreiben-Text handle es sich um eine Übersetzung aus dem Russischen ins Deutsche. Als Beweis dient ihm ein KI-Programm. Dumm nur: andere Nutzer von X, die Programme der künstlichen Intelligenz bemühten, erhielten keinen heißen Tipp in Richtung Moskau.
https://x.com/koeppelmann/status/2008159...n%5Es1_c10
Bei Tagesschau, Grünen und anderen scheint das Dogma festzustehen: Bekennerschreiben hin oder her – Linke können und dürfen es nicht gewesen sein. Auch ganz ähnliche von linken Aktivisten bejubelte Anschläge – etwa auf die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide nahe Berlin – können sie in dieser Überzeugung nicht erschüttern. Am Montag gab dann eine Welle von Posts dem Auf-keinen-Fall-Linke-Narrativ einen neuen Dreh: vermutlich steckt die AfD dahinter. Dafür präsentieren Linkstwitterer einen schlagenden Beweis: ein AfD-Parlamentarier des Abgeordnetenhauses habe sich _ allerdings schon im Juni 2024 – in einer Anfrage an die Landesregierung nach der Sicherheit der Stromversorgung erkundigt.
https://x.com/audiocustoms82/status/2007...n%5Es1_c10
Die Anfrage bezog sich allerdings erstens auf ein völlig anderes Gebiet als den Berliner Südwesten. Und dafür, wo die Stromleitungen in Berlin verlaufen, braucht niemand Anfragen der AfD, sondern nur einen Blick auf die Webseite von Stromnetz Berlin. Dort findet sich auch mühelos ein Plan der Kabelbrücke, die durch den Brandanschlag zerstört wurde.
https://x.com/Politikmit_Kopf/status/200...n%5Es1_c10
Warum eine strategisch derart wichtige Zuleitung, an der mehrere Stadtteile hängen, nicht gesichert war, weder durch Kameras noch einen Zaun, ist eine sicherlich wichtige Frage. Aber eine Antwort gibt es jetzt schon: die AfD zeichnet für diesen lässigen Umgang mit kritischer Infrastruktur garantiert nicht verantwortlich. Ganz Gewiefte verzichteten auf alle Verrenkungen dieser Art, sondern erklärten die „Vulkan“-Gruppe kurzerhand zu Rechtsextremen:
https://x.com/saki_statements/status/200...n%5Es1_c10
Dann müsste es sich allerdings um Rechtsextreme (oder russische Agenten) handeln, die sich als Linksextremisten tarnen. Erstens findet sich in dem Bekennerschreiben Täterwissen („haben wir zur Seite der Grünanlagen hin in Brand gesetzt…wir haben die angeschmorten Kabelstränge mit herumliegenden Stahlstangen zusätzlich kurzgeschlossen“).
Außerdem endet das Schreiben mit der Parole: „Freiheit für alle Antifas, Klimaaktivist:innen und all die anderen Widerspenstigen“. Der Bekennertext nennt außerdem mehrere „Referenzpunkte unserer Aktion“, er nahm also Bezug auf Anschläge gegen die Stromleitungen des Technologieparks Adlershof, der Teslas Gigafactory Grünheide, des Steinkohlekraftwerks Reuter von Vattenfall und einen zentralen Vodafone-Knotenpunkt in Adlershof. Erst im September 2025 führte ein Brandanschlag an zwei Hochspannungsmasten zu einem mehrtägigen Blackout in Berlin-Köpenick. Der Anschlag auf die Stromversorgung der Tesla-Fabrik im März 2024, zu dem sich ebenfalls die „Vulkan-Gruppe“ bekannte, ereignete sich parallel zu einer Aktion linksradikaler Gruppen, die seinerzeit einen Erweiterungsbau des Werks verhindern wollten. Die zentrale Figur dort: Carola Rackete, damals Spitzenkandidatin der Linkspartei für die Europawahl. Aber vielleicht arbeitet Rackete ja im Zweitjob für den russischen Geheimdienst, und im Drittberuf für die AfD.
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Quelle:
Meine persönliche Meinung dazu: " Die linksextreme "Vulkangruppe" hat sich zu dem Terroranschlag bekannt. Wenn das Bekennerschreiben nicht echt wäre, hätte sich die Gruppierung doch sicherlich davon distanziert, oder !? Oder sonnt man sich im zweifelhaften "Ruhm" und bestreitet die Tat erst, wenn man erwischt wird ? Und die Unkenrufe gegen Russland halte ich für Unsinn. Denn was sollte Russland davon haben ? Davon abgesehen hätten die Russen, wenn es denn beauftragte "Profis" gewesen wären, ganz sicher die ganze Stadt lahmgelegt statt nur einen kleinen Teil...wozu auch immer das dienen sollte. Und wenn es irgendwelche Russen ohne staatlichen Auftrag gewesen wären, könnte man nicht "den Russen" die Schuld in die Schuhe schieben. Und die Versuche, die AfD zu diskreditieren in diesem Zusammenhang ist wohl an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Denn erstens, was sollte die AfD davon haben ? Die AfD will keinen Krieg gegen Russland, welcher in einen 3.Weltkrieg führen würde und ist für Friedensverhandlungen. Das ist auch schon der einzige Bezug zu Russland. Und wo wir schon dabei sind...wer ist mit "die AfD" gemeint ? AfD - Politiker des Bundestages, kommunale Politiker der AfD, sämtliche AfD - Wähler oder nur AfD - Sympathisanten ?
Man sieht, das ganze ist Humbug. "
Gez. Mike
Update
Ursprüngliche »Vulkangruppe« distanziert sich von »Vulkangruppe«
Eine frühere »Vulkangruppe« hat sich mit einem neuen Schreiben zu Wort gemeldet. Die Autorinnen und Autoren distanzieren sich darin von den jüngsten Anschlägen in Berlin.
07.01.2026
![[Bild: 1b77726d-d7fa-40a3-920e-f329861e0865_w96...49.99.webp]](https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/1b77726d-d7fa-40a3-920e-f329861e0865_w960_r1.778_fpx42.9_fpy49.99.webp)
Ein Polizist in Berlin regelt den Verkehr an einer Kreuzung, an der die Ampel ausgefallen ist Foto: Britta Pedersen / dpa
Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz und der Veröffentlichung eines weiteren mutmaßlichen Bekennerschreibens der ist auf der Plattform Indymedia ein dritter Text der »Vulkangruppe« aufgetaucht. Darin heißt es, die Verfasserinnen und Verfasser seien die ursprüngliche »Vulkangruppe« von 2011.
Die Autoren distanzierten sich »ausdrücklich von allen Aktionen der letzten Jahre, die unter unserem Namen oder mit Bezug auf uns durchgeführt wurden«. Man habe sich »gegen Kriegspolitik, nicht gegen gesellschaftliche Grundversorgung« gerichtet.
Licht aus
nach dem Anschlag vom 3. Januar vom Stromausfall betroffene Gebiete
![[Bild: stromnetz-berlin.jpg]](https://verkehrt.eu/adminpics/sonstige/stromnetz-berlin.jpg)
Quelle: Stromnetz Berlin, Stand: 5.1.2026
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft das Distanzierungsschreiben der 2011er-»Vulkangruppe« als authentisch ein. Der Geheimdienst geht davon aus, dass es sich bei den »Vulkangruppen« um lose Netzwerke aus dem Bereich des militanten Anarchismus handelt, nicht um eine zentral geführte Organisation.
Mutmaßliche Stromausfall-Täter weisen Spekulationen zurück
Bereits zuvor waren zwei Bekennerschreiben öffentlich geworden. Das zweite, das vom BfV ebenfalls als authentisch eingestuft wird, wies Spekulationen über eine mögliche Beteiligung russischer Akteure zurück.
Darin heißt es unter anderem: »Zu den kursierenden Unterstellungen einer angeblichen ›False-Flag-Aktion‹ eines ausländischen Staates sagen wir klar: Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren.« Die Gruppe schreibt weiter, dass Angriffe auf Infrastruktur auch von inländischen Akteuren möglich seien. Wer hinter jeder Form von Sabotage einen fremden Geheimdienst vermute, verweigere sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren.
Am Morgen des 3. Januar war an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal ein Feuer ausgebrochen, das wichtige Versorgungsleitungen zerstörte. Der Brand führte zu einem Stromausfall im Südwesten Berlins, von dem in der Spitze mehr als 45.000 Haushalte betroffen waren. Der Blackout umfasste auch Pflegeeinrichtungen für alte und kranke Menschen. Mittlerweile werden die Menschen im Südwesten von wieder mit Strom versorgt.
Wenig später verschickten anonyme Urheber, die sich als bezeichneten, ein Bekennerschreiben. Demnach sollte das Ziel ihres Anschlags ein Gaskraftwerk in -Lichterfelde sein, um »die Ausbeutung der Erde zu unterbrechen«. Der Angriff sei »ein Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen«.
Die Bundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.
Mit einem Brandanschlag kappten mutmaßlich Linksextreme die Stromverbindung für 45.000 Haushalte. Die sogenannten Vulkangruppen verüben seit Jahren Brandanschläge in Berlin. Was über die Gruppierung bekannt ist, lesen Sie hier:
Quelle:
Brände und Blackouts: Wer verbirgt sich hinter "Vulkangruppe" und "Switch Off"?
Di 06.01.2026
- "Vulkangruppe" hat sich zu Brandanschlag auf Stromnetz in Berlin bekannt
- Gruppe bezieht sich in Bekennerschreiben auf die linksextreme Kampagne "Switch Off"
- "Switch Off" schreibt sich allein 2025 in Berlin 15 Sabotageakte und Brandanschläge zu
- Abschaltung der Website aus technischen Gründen schwierig
Von Roberto Jurkschat
Sie kommen früh am Morgen. Wahrscheinlich sind es mehrere Täter, die den Ort vorher sorgfältig ausgekundschaftet haben. Ihr Ziel ist eine kurze, kleine Brücke über den Teltowkanal, die für die anliegenden Stadteile von ungeheuer großer Bedeutung ist.
Als der Notruf Samstagfrüh bei der Berliner Feuerwehr eingeht, stehen fünf Hochspannungsleitungen und zehn Mittelspannungsleitungen in Flammen. Das Feuer ist von einem brennenden Baucontainer unter der Brücke auf die Kabeltrasse übergesprungen. In 50.000 Haushalten und zahlreichen Pflegeeinrichtungen gehen die Lichter aus, in drei Kliniken springen Notstrom-Aggregate an. Operationen werden verschoben.
![[Bild: size=544x306.jpg]](https://www.rbb24.de/content/dam/rbb/rbb/rbb24/2026/2026_01/sonstiges/kabelbrand-flammen.jpg.jpg/quality=192/size=544x306.jpg)
Brennende Stromleitungen nach dem Brandanschlag in Berlin-Lichterfelde (Quelle: Stromnetz Berlin)
"Vulkangruppe" bekennt sich zu Brandanschlag
Wenige Stunden nach der Tat erhalten Medien ein langes Bekennerschreiben der sogenannten "Vulkangruppe". Es trägt die Überschrift "Den Herrschenden den Saft abdrehen". Darin steht unter anderem: "In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört". Das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde sei "erfolgreich sabotiert" worden. "Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft". Zugleich beteuert die Gruppe, sie habe "zu jedem Zeitpunkt die Gefährdung von Menschenleben ausgeschlossen".
Kurz nach dem Blackout erreichen die Berliner Feuerwehr zahlreiche Notrufe: Bei fallen die Temperaturen in Zehntausenden betroffenen Wohnungen und Häusern ab. Ein Sprecher der Berliner Feuerwehr berichtet im rbb über Notfälle in Pflegeheimen und Privatwohnungen. Zahlreiche pflegebedürftige Menschen müssen in Notunterkünfte verlegt werden. In einer Notunterkunft des Bezirks am Hüttenweg bringt der Rettungsdienst unter anderem eine 97-jährige Frau unter, Pflegestufe 4. Sie verbringt die Nacht auf einem Feldbett in der Turnhalle.
"Vulkangruppe" und die Kampagne "Switch Off"
Dass es sich bei dem Brand in Lichterfelde um einen Brandanschlag gehandelt hat, ist für die Ermittler so gut wie sicher. Und er scheint Teil eines größeren Musters zu sein. Im Raum steht die Frage, ob er zu einer Serie von Sabotagen gehört, die mit der linksextremistischen Kampagne "Switch Off" - zu deutsch: ausschalten - in Verbindung stehen könnte.
Unter diesem Label taucht im Jahr 2023 eine Website auf - mit einem Manifest gegen Kapitalismus und Klimazerstörung. Die Verfasser rufen aber auch zu Brandanschlägen und Sabotage auf, veröffentlichen eine Liste von Anschlagszielen, detaillierte Bauanleitungen für Brandsätze, erklären, wie Täter vorgehen sollten, um keine DNA-Spuren zu hinterlassen. Ebenfalls auf der Website: eine lange Liste mutmaßlich linksextremer Anschläge, Brandstiftungen und Sabotagen, deren Täter sich angeblich auf die Aufrufe von "Switch off" berufen haben.
Zu dieser Liste zählt nun auch der mutmaßliche Anschlag im Berliner Süden. Im Bekennerschreiben setzen die Verfasser der "Vulkangruppe" den Brandanschlag in den Kontext der Kampagne: "Switch off für die Gier nach Energie, Switch off für die digitale Verwaltung des Lebens, Switch off für den Fortschritt der Zerstörung." Es ist nicht das erste Mal, dass die "Vulkangruppen" und "Switch Off" sich gegenseitig zitieren: Schon als 2024 ein , war in einem Bekennerschreiben der "Vulkangruppe" von "Switch Off" die Rede.
![[Bild: size=544x306.png]](https://www.rbb24.de/content/dam/rbb/rbb/rbb24/2026/2026_01/dpa-account/Screenshot-switch-off.png.png/quality=192/size=544x306.png)
Screenshot der Website: "Switch Off" stellt einen Zusammenhang zwischen der Kampagne und dem mutmaßlichen Brandanschlag der "Vulkangruppe" her
Energie, IT, Verkehr, Verwaltung als Ziele
Das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt: "Die Kampagne 'Switch off' hat zum einen das Ziel, zur Begehung von Straftaten zu animieren. Zum anderen bietet sie gewaltorientierten Linksextremisten die Möglichkeit, 'Kämpfe in einen gemeinsamen Kontext zu setzen' und diese so zu verbinden". Bevorzugte Ziele: Energie, IT, Verkehr, Verwaltung.
Wer tatsächlich hinter dem Anschlag im Berliner Südwesten steckt, ist bislang noch unklar - ebenso, ob es personelle Überschneidungen zwischen "Switch Off" und der "Vulkangruppe" gibt. In beiden Fällen, so erfährt rbb|24 aus Sicherheitskreisen, könnte es sich um Personen aus dem linksextremen Milieu in Berlin handeln. .
"Den Saft abgedreht"
Ebenfalls auf "Switch Off" gelistet ist ein Anschlag, . Nach einem Brand an Strommasten in Johannisthal sind Betriebe des Technologieparks Adlershof 60 Stunden von der Stromversorgung abgeschnitten, aber auch Tausende Haushalte und Einrichtungen wie Pflegeheime.
Nach der Tat erscheinen Bekennerschreiben auf "Switch Off". Die Verfasser behaupten, "einen weiteren Tag in Monotonie und Apathie" in Berlin beendet zu haben, indem sie dem Technologiepark "den Saft abgedreht" hätten.
Wie in Lichterfelde, Zehlendorf, Nikolassee und Wannsee trifft auch der Anschlag in Treptow-Köpenick vulnerable Gruppen, Notrufnummern funktionieren nur eingeschränkt, Straßenbeleuchtung und Ampeln fallen aus. Weil Beatmungsgeräte in Pflegeheimen ausfallen, werden Senior:innen mit Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht. Laut [] stürzt im Pflegeheim des Johanniter-Stifts eine 94-jährige Frau, nachdem sie das Licht nicht hat einschalten können – sie erleidet eine Oberschenkelfraktur.
Feuer als Botschaft
Die Liste der Brandanschläge mit "Switch Off"-Bezug in Berlin ist lang: Im März etwa stehen . Die Website "Switch Off" verlinkt ein Video, das die Tat angeblich dokumentiert. Darunter steht: "Kriegsgerät gefällt uns ausschließlich brennend."
Im Juni brennen in Neukölln und Lichtenberg . Ein Bekennerschreiben auf der Website bezeichnet die Unternehmen als Kriegsprofiteure, die an der "globalen Militarisierung" verdienen würden.
Im Dezember 2024 berichtet "Switch Off" über : "Von den Maschinen der Betongiganten Cemex und Heidelberg Materials ist nur noch Schutt und Asche übrig." Sieben Baumaschinen, neun Lkw, ein Förderband - alles zerstört in einer Nacht. Das Unternehmen war unter anderem am Ausbau der Stadtautobahn A100 beteiligt.
15 Taten listet die Website für Berlin allein für 2025. Dabei beschränkt sich "Switch Off" nicht nur auf Deutschland: In Frankreich werden demnach zahlreiche TGV-Trafostationen in Brand gesetzt, Sprengsätze an Hochspannungsleitungen befestigt, in Kanada werden Glasfaserkabel durchtrennt, am Hafen von Amsterdam ein Kran sabotiert.
Aber: Ob "Switch Off" in Berlin und anderswo tatsächlich über eigene Anhänger verfügt oder fremde Taten zum Teil auch nachträglich vereinnahmt, lässt sich kaum nachweisen.
Websites im Ausland
Eine andere Schwierigkeit ist die Kontrolle über die Verbreitung der illegalen Inhalte von "Switch Off". Die Website existiert nach rbb-Informationen mehrfach in Kopien, auf Servern weltweit. Eine Analyse von rbb|24 zeigte etwa IP-Adressen in den USA, Schweden und in der Schweiz. Ob es weitere Kopien gibt, ist unklar - was eine internationale Abschaltung erschwert.
Davon abgesehen dürfte sich das verbreitete Wissen über die Begehung von Brandanschlägen ohnehin kaum noch zurückholen lassen. Ob es dadurch zu weiteren Gefahren kommt, lässt sich kaum kontrollieren. Auch nicht durch die Personen hinter "Switch Off" der "Vulkangruppe".
Sendung: rbb|24, 06.01.2026, 21:11 Uhr
Quelle:
Stromausfall: Was ist dran an AfD- und False-Flag-Gerüchten?
von Jan Schneider 06.01.2026
Im Netz wird über die Hintergründe des Stromausfalls in Berlin spekuliert. Unser Faktencheck zeigt, was an den Behauptungen zu einer AfD-Anfrage und dem Bekennerschreiben dran ist.
Zahlreiche Berliner und Berlinerinnen sitzen immer noch im Dunklen und in der Kälte. Es ist bereits der längste Stromausfall der Hauptstadt seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Situation.
07.01.2026
Die Angst vor lang anhaltenden Stromausfällen war in Deutschland stets groß, doch eher unbegründet: Für das Jahr 2024 hat die Bundesnetzagentur eine durchschnittliche Nichtverfügbarkeit von Elektrizität pro Verbraucher von 11,7 Minuten errechnet - das deutsche Stromnetz zählt damit zu den zuverlässigsten in Europa.
Der großflächige Ausfall in hat diese Angst nun berechtigterweise wieder angestachelt: Schon seit Samstag sitzen Tausende Menschen im Süden der Stadt ohne Heizung im Dunkeln. Auslöser war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke zu einem Heizkraftwerk. Für den Anschlag hat eine linksextreme Gruppe namens "Vulkangruppe" per Bekennerschreiben die Verantwortung übernommen - Behörden und Beobachter der Szene halten das Schreiben für authentisch.
Nach dem Brandanschlag auf das Stromnetz in Berlin sind noch immer Tausende Haushalte ohne Strom. Die Hilfsbereitschaft unter den Berlinern ist groß, einige Hotels haben kostenlose Zimmer angeboten.
06.01.2026
AfD-Anfrage in Berlin wird als Spionageversuch dargestellt
In sozialen Medien und Kommentarspalten kursieren seither dennoch andere Spekulationen darüber, wer für die Sabotageaktion verantwortlich sein könnte. Auch in Kommentaren zu Beiträgen von ZDFheute verweisen Nutzer immer wieder auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, die angeblich für den Anschlag relevante Informationen erfragt haben soll: Speziell soll es dabei um Informationen über eine Kabelbrücke gehen, die bei dem Anschlag nun beschädigt wurde. In einem Video, das häufig geteilt wurde, wird der Vorwurf so formuliert:
"Wer wusste, dass diese Brücke und diese unscheinbaren Plastikrohre mit den wichtigen Kabeln in dieser Stadt verlegt sind? (...) Es gab eine Kleine Anfrage der AfD im Juni 2024 zur Stromversorgung in Berlin. Just genau zur Stromversorgung im Süden von Berlin, in der just genau diese Brücke erwähnt wurde."
Instagram-Nutzer "kopfkompass_politik"
Die schriftliche Anfrage, auf die sich das Video und viele Kommentare beziehen, ist die . Darin hatte der AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel Fragen zu "Spannungs- und Stromversorgungsschwankungen in Berlin".
Um das Berliner Stromnetz wieder zum Laufen zu bringen, müssen zwei verschiedene Kabeltechnologien verbunden werden. Das macht die Reparaturen schwierig.
05.01.2026
Ein Blick in den Wortlaut der AfD-Anfrage zeigt jedoch, dass es für einen Zusammenhang zu dem Anschlag auf die Kabelbrücke keinerlei Anhaltspunkte gibt. Die Anfrage beschäftigt sich mit allgemeinen Fragen zur Verfügbarkeit und Stabilität des Stromnetzes - etwa mit Spannungsschwankungen, dem Betrieb von Ladeinfrastruktur oder der Versorgungssicherheit.
Die Antworten liefern keine konkreten Lagepläne, keine Informationen über Kabelwege, keine Hinweise auf Schwachstellen in der Netzstruktur oder gar Tatorte, die für eine Sabotage hätten genutzt werden können. Sie enthält damit weder operative Details noch sensible technische Daten, die eine gezielte Störung erleichtern könnten.
Bekennerschreiben soll aus dem Russischen übersetzt worden sein
Zweifel gibt es im Netz auch an der Authentizität des Bekennerschreibens: Nutzer mutmaßen, dass das Schreiben auf Russisch konzipiert wurde und dann per Übersetzungssoftware ins Englische und Deutsche übersetzt wurde.
Der Berliner Senat sei beim Katastrophen-, Bevölkerungsschutz und Notfallmanagement überfordert, sagt Manuel Atug von der AG Kritische Infrastrukturen zu dem Brandanschlag in der Hauptstadt.
05.01.2026
ZDF frontal hat zehn Bekennerschreiben der Vulkangruppe aus den letzten Jahren analysiert und mit dem aktuellen Dokument verglichen. Die Untersuchung des Textes vom 4. Januar 2026 spricht stark für eine authentische Urheberschaft aus dem Umfeld der sogenannten "Vulkangruppe".
https://www.zdfheute.de/politik/deutschl...s-100.html
Stil und Sprache entsprechen auffällig genau früheren Veröffentlichungen der Gruppe aus den Jahren 2011 bis 2024. Charakteristische Formulierungen, eine stark emotionale und kämpferische Tonlage sowie ein Wechsel zwischen sehr kurzen Parolen und langen, verschachtelten Sätzen ziehen sich konsistent durch die Texte.
"Das ist kein Spaß, hier spielt man bewusst mit dem Leben von Menschen", so Kai Wegner (CDU), Bürgermeister von Berlin, zum Stromausfall. "Wir werden den Druck auf diese linke Szene deutlich erhöhen".
05.01.2026
Auch sprachlich finden sich keine Hinweise auf eine Übersetzung. Das Bekennerschreiben nutzt umgangssprachliche Wendungen und gendergerechte Schreibweisen. Typische Fehler automatischer oder russisch-deutscher Übersetzungen - etwa bei Artikeln, Präpositionen oder Satzbau - fehlen vollständig.
Teilweise finden sich Schreibfehler bei Namen, etwa wird die Berliner Senatorin Franziska Giffey einmal korrekt geschrieben und zwei Mal mit "a" also "Giffay". Einziges Indiz könnte die falsche Schreibweise von US-Vizepräsident J.D. Vance sein, der im Bekennerschreiben "Vans" genannt wird - ein möglicher Transkriptionsfehler aus dem Kyrillischen.
Insgesamt gibt es keine hinreichenden Beweise dafür, dass das Bekennerschreiben auf eine russische False-Flag-Operation hinweist.
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem das ZDF-Morgenmagazin am 07.01.2026 ab 05:30, am 06.01.2026 ab 14:00 Uhr und das am 05.01.2026 ab 21:45 Uhr.
Quelle:
Update
Drittes Schreiben zu Brandanschlag in Berlin sorgt für Verwirrung
07.01.2026
![[Bild: Die-Polizei-kontrolliert-die-betroffenen...06-01.webp]](https://www.n-tv.de/img/30214232/1767806807/Img_16_9/1024/Die-Polizei-kontrolliert-die-betroffenen-Gegenden-zur-Vermeidung-von-Einbruechen-waehrend-des-grossflaechigen-Stromausfalls-im-Bezirk-Steglitz-Zehlendorf-Berlin-06-01.webp)
Vier Nächte lang lagen Teile des Berliner Südwestens im Dunkeln. (Foto: picture alliance / PIC ONE)
In Berlin kommt es zu einem großen Stromausfall, ausgelöst durch einen Brandanschlag. Dafür sollen linksextreme Aktivisten verantwortlich sein, doch nach zwei Bekennerschreiben und einer Gegendarstellung gibt es Ungereimtheiten beim Täterkreis. Waren Nachahmer am Werk?
Über die mutmaßlich linksextremen Täter des Brandanschlags auf kritische Stromleitungen in Berlin herrscht nach der Veröffentlichung eines nunmehr zu dem Vorfall von angeblichen Mitgliedern der "Vulkangruppe" weiter Unklarheit. Die angeblichen Gründer der Gruppe teilen in dem Schreiben mit, sie hätten mit dem Anschlag nichts zu tun und wehren sich gegen "Vereinnahmung" - wohl durch linke Trittbrettfahrer. Demnach soll die ursprüngliche Gruppe nur zwischen 2011 und 2014 Angriffe auf kritische Infrastruktur verübt haben.
"Die Texte und Aktionen der letzten Jahre stammen nicht von uns. Sie widersprechen dem, wofür wir standen und warum wir überhaupt gehandelt haben", heißt es in dem Schreiben. Es sei der Gruppe um "Sichtbarkeit von Verantwortung" gegangen und nicht um moralische Überhöhung oder um eine Logik der "permanenten Sabotage". Ziel seien "Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung und Waffenexporte" gewesen.
"Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 hat sich der Kontext grundlegend verschoben. Was zuvor als Kritik an westlicher Militärpolitik formuliert werden konnte, geriet in eine Lage, in der jede Form von Infrastrukturangriff objektiv Teil einer allgemeinen Destabilisierug wird." Man habe erkannt, dass "unsere früheren Mittel unter den geänderten Bedingungen neu gedacht werden müssen".
Innenministerium: Linksextreme Täter
Diese Zeilen tauchen auf der linken Plattform Indymedia auf, nachdem eine "Vulkangruppe" in einem zweiten angeblichen Bekennerschreiben zum Brandanschlag in Berlin Spekulationen über eine russische Beteiligung zurückweist. Nun stellt sich die Frage, ob für den Anschlag am Wochenende tatsächlich Trittbrettfahrer aus der linken Szene verantwortlich sind, die mit der ursprünglichen Gruppe nichts zu tun haben.
Ob das dritte Schreiben von den Gründern stammt, kann nicht überprüft werden. Verdächtige wurden seit 2011 nie gefasst. So viel steht fest: Das Bundesinnenministerium hält das für authentisch und geht von einer "linksextremistischen" Gruppe aus.
Die sogenannte Vulkangruppe (oder angebliche Mitglieder) reklamiert seit rund 15 Jahren Anschläge auf neuralgische Infrastruktur in der Bundeshauptstadt und dem angrenzenden Umland. Den Auftakt ihrer Aktionen bildete ein Anschlag auf ein Starkstromkabel am Berliner S-Bahnhof Ostkreuz - einem der meistgenutzten in der Stadt. Es folgten weitere Attacken auf Kabelsätze und Stromkästen der Deutschen Bahn.
Folgenschwerster Brand bei Tesla
2018 traf es erneut ein Starkstromkabel im Stadtteil Charlottenburg. 6500 Wohnungen und 400 Firmen waren mehrere Stunden ohne Strom. 2020 wurde ein Kabelschacht des Heinrich-Hertz-Instituts in Brand gesetzt. Allein bis 2019 ging der Landesverfassungsschutz von mindestens acht Fällen von Anschlägen und Sabotageakten der Gruppe aus. Bis März 2024 wurden der Gruppe elf Anschläge vorgeworfen.
Die folgenreichste Aktion bisher war der Brand eines Strommastes nahe der Gigafactory von US-Elektro-Autobauer Tesla in Grünheide. Ähnlich wie zuletzt im Berliner Südwesten fiel der Strom in vielen Haushalten aus. Vor allem aber stand die Produktion im Tesla-Werk still - eine Woche lang. Der Konzern rechnete mit mehreren Hundert Millionen Euro Schaden.
In allen Fällen veröffentlichte die sogenannte "Vulkangruppe" Bekennerschreiben. Dabei wählte sie allerdings unterschiedliche Namen. Der Berliner Verfassungsschutz ging trotzdem davon aus, dass es sich jeweils um die zumindest in Teilen gleiche Autorengruppe handelte. Das legten die Texte der Bekennerschreiben "in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen" nahe, hieß es im Verfassungsschutzbericht von 2019.
Klarheit gibt es aber bis jetzt nicht. Obwohl die Gruppe vermutlich seit 15 Jahren existiert, können Ermittlungsbehörden bisher nicht im Ansatz klären, wie viele Menschen dazugehören. Das dritte Schreiben sorgt nun für noch mehr Verwirrung über die Täter des Brandanschlags im Berliner Südwesten.
Quelle: , dsc/als
https://www.morgenpost.de/berlin/article...ge-an.html
https://www.n-tv.de/panorama/Polizei-erm...18714.html
"Wenn Unrecht Gesetz wird,wird Rebellion Pflicht."
Der Klartexter
Der Klartexter

geht es um alles, was nicht rund läuft im Land




