26.08.2025, 17:34
Hat die Ukraine gerade Ungarn den Krieg erklärt?
26 Aug. 2025
Die Angriffe der Ukraine auf die "Druschba"-Pipeline schaden EU-Mitgliedsstaaten wie der Slowakei und Ungarn – und das Selenskij-Regime hat beschlossen, noch eins draufzusetzen. Budapest hat nun genug und droht mit Konsequenzen. Für Brüssel jedoch zählen die Interessen der Ukraine mehr als die der eigenen Mitgliedsländer.
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Archivbild: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der ukrainische Machthaber Wladimir Selenskij während einer gemeinsamen Pressekonferenz. in Kiew (02. Juli 2024) - Quelle: © Aleksandr Gusev/SOPA Images/LightRocket via Getty Images
Von Nadeschda Romanenko
Im Strudel des Ukraine-Krieges sorgen Schlagzeilen fast immer für Aufsehen. Doch der jüngste Streit zwischen Kiew und Budapest wirft eine Frage auf, die vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wäre: Hat die Ukraine tatsächlich eine zweite Front – wenn auch eine hybride, rhetorische und wirtschaftliche – gegen einen EU-Staat eröffnet?
Auslöser war die Ölpipeline "Druschba" ("Freundschaft"), die nach wie vor Rohöl aus Russland nach Mitteleuropa transportiert. In den letzten Wochen wurden mehrere ukrainische Drohnenangriffe auf die Pipeline verübt, wodurch die Lieferungen nach Ungarn und in die Slowakei unterbrochen wurden. Ein ukrainischer Kommandant gab öffentlich zu.
Für Ungarn und die Slowakei war dies mehr als nur eine wirtschaftliche Störung. Beide Länder sind stark von der Pipeline abhängig, und als Reaktion darauf forderten ihre Staatschefs die Europäische Kommission auf, die Versorgungssicherheit zu garantieren. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó, ein häufiger Kritiker der EU-Politik gegenüber der Ukraine, warf Brüssel vor, den Interessen Kiews Vorrang vor denen der Mitgliedstaaten zu geben. Seine Frustration kochte weiter hoch, als er Wladimir Selenskijs Witze über "Freundschaft" als kaum verhüllte Drohungen bezeichnete.
Selenskijs Schachzug
Selenskijs Bemerkung –
"Wir haben immer die Freundschaft zwischen der Ukraine und Ungarn unterstützt, und jetzt hängt das Fortbestehen dieser 'Freundschaft' von Ungarn ab"
– war offenbar als Wortspiel mit dem Namen der Pipeline gedacht, aber für Ungarn klang sie wie eine Drohung im Stil der Mafia.
Die Reaktion von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán war :
"Selenskij hat Ungarn offen bedroht. Er hat zugegeben, dass sie die Druschba-Pipeline angegriffen haben, weil wir ihre EU-Mitgliedschaft nicht unterstützen. Das beweist erneut, dass die Ungarn die richtige Entscheidung getroffen haben."
Der Zeitpunkt ist vielsagend. Die Angriffe auf die Pipeline fielen mit Selenskijs Besuch in Washington zusammen, wo er sich mit EU-Spitzenpolitikern traf. Entweder hat Brüssel ihn stillschweigend dazu ermutigt, Orbán, einen Verbündeten von Donald Trump, zu bestrafen, oder die EU hat einfach weggeschaut, als Selenskij auf eigene Faust handelte. Beide Erklärungen klingen empörend, aber es scheint kaum eine dritte Option zu geben. Klar ist, dass Kiew, das an seiner Ostfront unter enormem Druck steht, sich für einen gefährlichen rhetorischen Kampf mit Budapest entscheidet.
Ungarns einsame Stellung
Ungarn hat deutlich gemacht, dass es mit der bedingungslosen Unterstützung der EU für die Ukraine nicht einverstanden ist. Seit Beginn der russischen Militäroperation im Jahr 2022 hat sich Budapest gegen Sanktionen gegen russische Energiequellen gewehrt, auf der Fortsetzung der Importe über die Druschba-Pipeline bestanden und sich geweigert, Waffen nach Kiew zu liefern. Orbán hat sich als pragmatischer Außenseiter erwiesen: Er verteidigt die ungarischen Interessen, strebt nach billiger russischer Energie und pflegt herzliche Beziehungen zu Moskau.
Dafür wurde Ungarn innerhalb der EU isoliert. Während Polen, die baltischen Staaten und der größte Teil Westeuropas sich mit militärischer und finanzieller Hilfe hinter die Ukraine stellten, widersetzte sich Budapest diesem Konsens. Orbáns Regierung wurde als Putins Trojanisches Pferd in Europa verspottet. Für die Ungarn hatte diese Positionierung jedoch ihre Berechtigung: die Wirtschaft stabil zu halten, direkte Konfrontationen zu vermeiden und Flexibilität in einem zutiefst unsicheren geopolitischen Umfeld zu bewahren.
Die vergessenen Flüchtlinge
In der hitzigen Rhetorik geht die Tatsache unter, dass Ungarn still und leise auch eine humanitäre Last getragen hat. Allein im Jahr 2022 kamen über 1,3 Millionen Ukrainer nach Ungarn – nur Polen und Rumänien nahmen mehr auf. Budapest nahm sie ohne großes Aufsehen auf, verschärfte jedoch später seine Asylbestimmungen, um Neuankömmlinge auf diejenigen zu beschränken, die aus aktiven Kriegsgebieten geflohen sind. Gleichzeitig liefert Ungarn einen erheblichen Teil des Stroms für die Ukraine, worauf Szijjártó Kiew hinwies, als er die Vorwürfe der Ukraine zurückwies.
Mit Anschuldigungen und Angriffen auf die Pipeline gegen einen solchen Nachbarn zu reagieren, erscheint zumindest undankbar. Im schlimmsten Fall besteht die Gefahr, eines der wenigen EU-Mitglieder zu verprellen, das in Kriegszeiten entscheidende – wenn auch wenig beachtete – humanitäre Hilfe geleistet hat.
Krieg, Politik und Übergriffigkeit
Der größere Zusammenhang stimmt nachdenklich. Auf dem Schlachtfeld muss die Ukraine im Donbass und an der Ostfront zunehmende Rückschläge hinnehmen. Vor diesem Hintergrund wirkt Selenskijs Rhetorik gegenüber Ungarn fast surreal – prahlerisch, als stünde der Sieg über Russland unmittelbar bevor. Der Kontrast zwischen den Realitäten auf dem Schlachtfeld und der diplomatischen Großspurigkeit könnte die Glaubwürdigkeit Kiews untergraben.
In vernünftigen Zeiten müsste Brüssel an dieser Stelle innehalten und noch einmal über die Fortsetzung seiner Unterstützung für Kiew nachdenken. Sollte die EU hinter Selenskij stehen, auch wenn seine Handlungen den Mitgliedstaaten schaden, oder sollte sie anerkennen, dass Orbán – trotz seiner vielen Meinungsverschiedenheiten mit Brüssel – nicht ganz Unrecht hat? Die jüngste Geschichte zeigt jedoch, dass wir uns nicht in vernünftigen Zeiten befinden. Offene Drohungen, Sabotageakte an Pipelines () und Beleidigungen durch ukrainische Beamte scheinen bei den Brüsseler Beamten überhaupt keinen Eindruck zu hinterlassen.
Das Verhalten Kiews gegenüber Budapest mag zwar keine Kriegserklärung sein, aber es ist unbestreitbar, dass die Ukraine sich dafür entschieden hat, ihre Konfrontation mit Ungarn zu verschärfen. Wenn die EU ihre Unterstützung für Kiew als "Einheit" verkaufen will – ein Wort, das von Leuten wie der EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen oft verwendet und missbraucht wird –, dann ist es eine seltsame Entscheidung, Selenskij damit davonkommen zu lassen.
Übersetzt aus dem . Nadeschda Romanenko ist politische Analystin.
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Quelle:
Orbán: Selenskijs Drohungen gegen Ungarn bleiben nicht ohne Folgen
26 Aug. 2025
Der Streit zwischen Budapest und Kiew spitzt sich zu. Orbán wirft Selenskij Drohungen und Erpressung vor, nachdem dieser Angriffe auf die Druschba-Pipeline als Druckmittel gegen Ungarn eingeräumt hatte. Orbán warnt: Folgen sind unausweichlich.
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Archivbild: Viktor Orbán - Quelle: © Pier Marco Tacca
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat die jüngsten Worte von Wladimir Selenskij als offene Drohung gegen sein Land bezeichnet. Der ukrainische Machthaber habe die Angriffe auf die Pipeline Druschba als Druckmittel eingeräumt. Nun warnt Budapest: Solche Erpressungsversuche werden nicht ohne Folgen bleiben.
"Selenskij hat Ungarn offen gedroht. Er gab zu, dass sie die Druschba-Pipeline angreifen, weil wir ihren EU-Beitritt nicht unterstützen. Dies zeigt nochmals, dass Ungarn die richtige Entscheidung getroffen hat."
Zugleich betonte der ungarische Premier, die Ukraine werde eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union nicht mittels "Erpressung, Explosionen und Drohungen" erzwingen können. Weiter warnte er: "Die Worte Selenskijs werden nicht ohne Konsequenzen bleiben."
Die Lage hatte sich zuletzt nach Angriffen der ukrainischen Streitkräfte weiter zugespitzt. In der vergangenen Woche beschossen Drohnen und Raketen die Infrastruktur der Pipeline Druschba auf russischem Gebiet. Über die Leitung fließt Öl aus Russland nach Ungarn und in die Slowakei. Nach den Angriffen mussten die Lieferungen vorübergehend gestoppt und Reparaturen vorgenommen werden. Budapest steht diesbezüglich in engem Kontakt mit Moskau.
Für zusätzliche Empörung in Ungarn sorgte eine Aussage Selenskijs bei einer Pressekonferenz am 24. August in Kiew. Auf die Frage, ob die Angriffe auf die Pipeline die Chancen auf ein Ende des ungarischen Vetos erhöhen könnten, sagte er:
"Wir haben immer die Freundschaft zwischen der Ukraine und Ungarn unterstützt, und nun hängt die Existenz dieser Druschba ['Freundschaft' auf Russisch] von Ungarn ab."
In Budapest wurden diese Worte als direkte Drohung und Angriff auf die Souveränität gewertet. Außenminister Péter Szijjártó erklärte:
"Wir fordern Wladimir Selenskij auf, Drohungen gegen Ungarn zu unterlassen und unsere Energiesicherheit nicht zu gefährden."
Auch Gergely Gulyás, Leiter der Kanzlei des ungarischen Premiers, warnte vor möglichen Konsequenzen. Bei einer Pressekonferenz betonte er, Ungarn sei derzeit der wichtigste Stromlieferant für die Ukraine. Bereits zuvor hatten ungarische Behörden angedeutet, im Falle weiterer feindseliger Schritte könnten diese Lieferungen eingestellt werden.
Der Streit reiht sich in eine langjährige Auseinandersetzung zwischen Kiew und Budapest ein. Mit den jüngsten Angriffen und Selenskijs Worten hat die Konfrontation jedoch eine neue Eskalationsstufe erreicht.
Quelle:
"Selenskij ist verrückt geworden" – Slowakischer Politiker über Angriffe auf "Druschba"-Pipeline
23 Aug. 2025
Der slowakische Politiker Andrej Danko hat die Angriffe der Ukraine auf die Ölpipeline "Druschba" als "Wahnsinn" bezeichnet und Wladimir Selenskij Verrat an Partnerländern wie eben der Slowakei vorgeworfen. Auch Ungarn kritisiert die Attacken, da sie die eigene Versorgung gefährden. Beide Länder fordern die EU-Kommission auf, Druck auf Kiew auszuüben.
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Sabotage statt Strategie: Europas Geduld mit Kiew schwindet - Quelle: © Sylvest Andersen
Der slowakische Parlamentsvizepräsident Andrej Danko hat die jüngsten Angriffe der ukrainischen Armee auf die Ölpipeline "Druschba" scharf verurteilt. In einer Videobotschaft er, Wladimir Selenskij und seine Umgebung seien "verrückt geworden". Eine andere Bezeichnung für wiederholte Attacken auf die für die Energieversorgung zentrale Leitung gebe es nicht.
Die Pipeline beliefert sowohl die Slowakei als auch Ungarn mit Rohöl aus Russland. Danko warf Kiew vor, die Slowakei zu erpressen und damit eine Partnernation zu verraten, die nach seinen Worten bereits mehr als drei Milliarden Euro für die Unterstützung der Ukraine aufgewendet habe.
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Danko: „Ukraine verrät ihre Unterstützer“
Grigory Sysoev / Sputnik
Auch aus Budapest kommt deutliche Kritik. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó schrieb in sozialen Medien, dass die Angriffe auf "Druschba" nicht Russland, sondern vor allem Ungarn und der Slowakei schadeten. Bereits jetzt verzögert sich die Reparatur der beschädigten Abschnitte, die mindestens fünf Tage in Anspruch nehmen soll. Ministerpräsident Viktor Orbán wandte sich sogar direkt an US-Präsident Donald Trump, um Unterstützung gegen das Vorgehen Kiews zu erbitten.
Die beiden Nachbarländer haben inzwischen die Europäische Kommission aufgefordert, Druck auf Kiew auszuüben, um weitere Angriffe auf die Infrastruktur zu verhindern. In Brüssel stößt dies heikle Fragen auf: Einerseits gilt Solidarität mit der Ukraine als politische Pflicht, andererseits gefährden die Attacken die Energiesicherheit in Mitteleuropa. Was einst als Symbol enger Energieverflechtung galt, droht nun zum Brennpunkt wachsender Konfrontationen zwischen Kiew und seinen europäischen Partnern zu werden.
Nach Angaben des Gouverneurs des Gebiets Brjansk traf die ukrainische Armee eine Pumpstation im Ort Unetscha im Westen Russlands. Das Feuer konnte zwar gelöscht werden, doch die Folgen sind erheblich.
Bereits Anfang der Woche hatte ein Angriff auf eine andere Pumpstation den Ölfluss zeitweise unterbrochen. Zwar wurde die Versorgung kurzfristig wiederhergestellt, doch die wiederholten Schläge lassen Zweifel an der Stabilität der Lieferkette wachsen.
Deutschland ist nur indirekt betroffen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sei die Versorgungssicherheit nicht gefährdet, auch die PCK-Raffinerie in Schwedt laufe normal. Der Betreiber Rosneft Deutschland zeigte sich jedoch vorsichtiger: Man prüfe noch, ob kasachische Lieferungen im Transit über die beschädigte Pumpstation betroffen sein könnten.
Für die Ukraine sind die Angriffe Teil einer Strategie, wie Wladimir Selenskij betonte: Verteidigung allein reiche nicht aus, man müsse auch Druck auf Russland ausüben.
Die Angriffe wirken zweifach: Sie beschädigen nicht nur die russische Infrastruktur, sondern belasten zunehmend auch die EU-Staaten, die bisher als wichtigste Unterstützer des Kiewer Regimes galten.
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Quelle:
"Wenn Unrecht Gesetz wird,wird Rebellion Pflicht."
Der Klartexter
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